Pauline Viardot Datenbank
Werkgruppe: Bearbeitungen fremder Kompositionen
VWV-Nr.:4027
Titel: La Fête / Przed Mazurem
Fassungen:
Besetzung:Singstimme und Klavier             >> Quellen
Taktart, Tonart:3/4,   e-Moll
Originalwerk von:Frédéric Chopin
Bearbeitung von:Pauline Viardot
chronologische Einordnung: 1846-1864 (ca.)
Texte:
Sprache:französisch
AutorIn:Louis Edmond Pomey
Textincipit:Ah! La [!] village est tout en fête
Sprache:polnisch
AutorIn:Louis Edmond Pomey
Übersetzung/Adaption von:Piotr Maszyński
Textincipit:Ach! Serce mi zradości skacze
Kommentar:Zur chronologischen Einordnung: Die Entstehungszeit der zwölf Bearbeitungen von Chopin-Mazurken ist nur sehr weiträumig einzugrenzen. Die Entstehung der bearbeiteten Originalwerke Chopins fällt in die Jahre 1830-1845 (bzw. 1827 für op. 68,2, in Viardots Bearbeitung „L’Oiselet“ VWV 4021). Mit Ausnahme zweier Mazurken (ebenfalls op. 68,2 und op. 67,1, in Viardots Bearbeitung „La Beauté“ VWV 4026), die erst 1855 im Druck erschienen, wurden sie bis zum Jahr 1846 auch gedruckt. Das früheste autographe und datierte Notat einer Viardot-Bearbeitung einer Chopin-Mazurka stammt ebenfalls aus dem Jahr 1846: "Coquette" VWV 4025, Autograph in US-CAh MS Mus 264 (97) [37.]. Es ist allerdings zu vermuten, dass Pauline Viardot die Mazurken unabhängig von ihrer Drucklegung kennenlernte. In den Jahren 1841, 1842, 1843 und 1845 verbrachte sie jeweils mehrere Wochen während des Sommers bei George Sand und Frédéric Chopin in Nohant. Während dieser Zeiten lebte sie mit Chopin unter einem Dach, musizierte mit ihm und lernte sicher auch seine neuesten Kompositionen kennen. Erwähnungen der Viardot’schen Bearbeitungen von Chopin-Mazurken finden sich nach derzeitiger Kenntnis ab 1847 in Konzertrezensionen und Besprechungen von Opernaufführungen. Seit ca. 1847 wählte Pauline Viardot Chopin-Mazurken als Einlagen für die Gesangsstunde der Rosina in Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ aus (s. Wiener AMZ, 9.2.1847, S. 72 und Leipziger AMZ, 7.7.1847, Sp. 465). Außerdem sang sie Chopin-Mazurken im Rahmen eines Konzerts, das Clara Schumann in der Berliner Sing-Akademie gab (s. Wiener AMZ, 13.4.1847, S. 179). Besonders hervorzuheben sind Aufführungen zweier Chopin-Mazurken in Konzerten in London im Jahr 1848, da Frédéric Chopin selbst diese Konzerte in einigen Briefen erwähnt (zit. u. a. bei Carolyn Shuster, Six Mazurkas de Frédéric Chopin transcrites pour chant et piano par Pauline Viardot, in: Revue de musicologie, Vol. 75/2 (1989), S. 265-283, und Irena Poniatowska, Die Transkriptionen der Mazurken Frédéric Chopins von Pauline Viardot, in: Chopin 1849/1999. Aspekte der Rezeptions- und Interpretationsgeschichte, hrsg. von Andreas Ballstaedt, Schliengen: Ed. Argus 2003, S. 73-87). Konzertberichte aus London finden sich z. B. in „The Athenaeum“, 20.5.1848, S. 516, in „The Musical World“, 13.5.1848, S. 312 und in „Revue et Gazette musicale de Paris“, 21.5.1848, S. 162. Aus keiner der genannten zeitgenössischen Berichte geht eindeutig hervor, welche Chopin-Bearbeitungen gesungen wurden und ob es zu dieser Zeit bereits weitere Bearbeitungen gab. Zwar werden in der Rezension in „The Musical World“ die angeblichen Original-Tonarten genannt (B-Dur und gis-Moll), doch ist dies keineswegs eine zuverlässige Angabe: Wenn der Rezensent die Chopin-Mazurka richtig erkannt hat, dürfte mit B-Dur op. 7,1 gemeint sein, in Viardots Bearbeitung „Coquette“. Die einzige Chopin-Mazurka in gis-Moll (op. 33,1) jedoch hat Pauline Viardot offenbar gar nicht bearbeitet, jedenfalls ist eine solche Bearbeitung nicht überliefert. Allenfalls könnte ein Druckfehler vorliegen und op. 6,1 in fis-Moll gemeint sein, in Pauline Viardots Bearbeitung „Plainte d’amour“ VWV 4024). Zu den Londoner Konzerten vgl. auch Melanie Stier, Pauline Viardot Garcia in Großbritannien und Irland. Formen kulturellen Handelns, Hildesheim: Olms 2012, S. 231 ff. Die Textzeugen zu Viardots Chopin-Bearbeitungen tragen wenig zu einer genaueren Datierung bei: Autographe sind bislang nicht bekannt, die wenigen handschriftlichen Textzeugen sind undatierte Abschriften von der Hand Marianne Duvernoys, Pauline Viardots dritter Tochter, in deren Nachlass im Fonds Viardot-Duvernoy in F-Pmhb („Aime-moi“ VWV 4020 in zwei Fassungen, „La Danse“ VWV 4031, „Seconde berceuse“ VWV 4030, „La Jeune fille“ VWV 4029, „Faible cœur“ VWV 4028). Die ersten gedruckten Ausgaben erschienen erst [1864] in Paris, offenbar zunächst einzeln und dann in zwei Sammlungen à sechs Mazurken. Das Erscheinen der zweiten Sammlung ist allerdings derzeit nicht genau zu datieren (siehe Quellen. Siehe auch Briefe Ivan Turgenevs an Pauline Viardot, 21.11.1864 und 23.11.1864. Turgenev hatte in Paris Kontakt zum Verlag Gérard et Cie und berichtet von den Treffen. Am 23.11. schreibt er: „Vos mazourkas ne se vendent encore que séparément, ils feront le recueil plus tard pour le vrai commencement de la saison.“ – zit. nach Ivan Tourguénev, Lettres inédites à Pauline Viardot et à sa famille, hrsg. von Henri Grandjard u. Alexandre Zviguilsky, Paris 1972, S. 121 f. und das Zitat 122 f.). Diese Drucke überliefern Viardots Vokalbearbeitungen mit französischen Texten, verfasst von Louis Pomey, der in den folgenden Jahren eng mit Pauline Viardot zusammenarbeitete und zahlreiche Texte und Übersetzungen für ihre Kompositionen schrieb. Die Chopin-Bearbeitungen sind die ersten Werke Pauline Viardots, in denen Louis Pomey als Textautor auftritt. Aus Berichten von den früheren Aufführungen geht indes hervor, dass die Texte zu den Vokalbearbeitungen ursprünglich in spanischer Sprache waren: Die genannten Rezensionen in der Wiener AMZ vom 13.4.1847, S. 179 und in „The Athenaeum“ von 1848 (s. o.) sowie eine Erinnerung des deutschen Komponisten und Dirigenten Ferdinand Hiller. Er berichtet von seinem Paris-Aufenthalt im Jahr 1851, dass er Pauline Viardot mit einigen Chopin-Mazurken in einer Matinée gehört habe (Ferdinand Hiller, Aus dem Tonleben unserer Zeit, 2 Bde., Leipzig 1868, Bd. 1, S. 54). Da keine Textzeugen der Bearbeitungen mit spanischem Text bekannt sind, vermutet Shuster (a. a. O., S. 271), Hiller habe die Chopin-Mazurken mit Viardots spanischen Liedern verwechselt, doch seine ausführliche Beschreibung des Zusammenwirkens der Chopin’schen Musik mit dem Klang der spanischen Worte erscheint glaubwürdig. Obwohl keine Textzeugen der Chopin-Bearbeitungen mit spanischen Texten bekannt sind, können Pomeys Texte nicht als die ursprünglichen Textierungen gelten, wie häufig in der Literatur vertreten, denn der 1835 geborene Pomey war zur Zeit der ersten Erwähnungen öffentlicher Aufführungen, in den Jahren 1847/48, erst 12 bzw. 13 Jahre alt. Zudem freundeten sich Pauline Viardot und Ivan Turgenev erst um 1860 mit Louis Pomey an: Die ersten Erwähnungen in Briefen und die ersten Briefe Viardots und Turgenevs an Pomey stammen alle aus dem Jahr 1863, wobei man allerdings bereits den Eindruck einer gewissen Vertrautheit gewinnt (vgl. hierzu Alexandre Zviguilsky, Un frère français de Tourguéniev: Louis Pomey?, in: Cahiers 7 (1983), S. 139-147). Es ist zu vermuten, dass die Freundschaft und Zusammenarbeit mit Louis Pomey den Anstoß gaben, die Chopin-Mazurken mit französischen Texten zu versehen, um sie auf dem französischen Musikalienmarkt in gedruckten Ausgaben anbieten zu können, wie es 1864 dann ja realisiert wurde. Nicht zu klären ist, zu dem Zeitpunkt, als Pomey seine Textierungen schrieb, schon alle zwölf Chopin-Bearbeitungen existierten, oder ob die Zusammenarbeit mit Louis Pomey auch die Entstehung weiterer Bearbeitungen anregte, so dass deren Zahl erst um diese Zeit auf zwölf anstieg.
Originalkomposition:
KomponistIn:Frédéric Chopin
Titel:Mazourke
Werknummer:op. 6, Nr. 4


Christin Heitmann: Pauline Viardot. Systematisch-bibliographisches Werkverzeichnis (VWV), Hochschule für Musik und Theater Hamburg, seit 2012, Online-Datenbank http://www.pauline-viardot.de/Werkverzeichnis.htm (25.05.2017)